Die Namen der Farben

Inhaltsverzeichnis

To the egyptians the word color meant the same as substance of wich color was not an accidental but an integral part.

Silber

Féerie

Paul Valéry hat in seiner symbolistischen Periode zwei Sonette geschrieben, beide mit dem Titel «Féerie», deren Effekt eine bestimmte Farbe ist. Diese Farbe lässt sich nicht mehr mit einem Substantiv ausdrücken; wahrscheinlich dominiert das Silbrige, aber dieser Farbton ist noch in andere Empfindungen eingebunden, die ihn auffächern und verstärken: Leuchtkraft, Transparenz, Leichtigkeit, jähe Schärfe, Kälte: Mondblässe, seidene Federn, Funkeln des Diamanten, Schillern von Perlmutt.1

Die Farbica-Farbe Féerie

Transparente Plättchen, sogenanntes Perlsilber, verleihen dem Colorit Féerie einen zarten Seidenschimmer und silbrigen Glanz. So erinnert Féerie in seiner Erscheinung denn auch an Metall, Perlmutt oder an Libellenflügel.

Féerie ist mit dem Pinsel in präzise aufeinander abgestimmten Farbschichten aufgetragen. Daraus ergeben sich schöne Zusammenspiele von Licht und Glanz, von Blickwinkel und schillernden Tönen.

Féerie

Abbildung 1: Eine Anwendung der Farbica-Farbe Féerie

Grau

Transcendentalgrau

Wenn ich jetzt dieses Wort höre, so sehe ich noch immer den Doktor Saul Ascher mit seinen abstrakten Beinen, mit seinem engen, transcendentalgrauen Leibrock, und mit seinem schroffen, frierend kalten Gesichte, das einem Lehrbuche der Geometrie als Kupfertafel dienen konnte. Dieser Mann, tief in den Fünfzigen, war eine personificierte grade Linie.2

Dampfgrau

Verstimmt ging er in der leeren Hall auf und ab, bald unschlüssig in den Zeitungen blätternd, bald wieder im Musikzimmer am Klavier einen Walzer antastend, bei dem ihm aber der Rhythmus nicht recht in die Finger sprang. Schließlich setzte er sich verdrossen hin, sah hinaus, wie das Dunkel langsam niederfiel, der Nebel als Dampfgrau aus den Fichten brach. Eine Stunde zerbröselte er so, nutzlos und nervös. Dann flüchtete er in den Speisesaal.3


Abbildung 2: Adidas NMD R1 Primeknit, Damen-Trainings-Schuh, Dampfgrau/Weiß.

Taubengrau

Die Sonnenlichter stahlen sich durch die taubengraue Seide und tupften tanzende Reflexe auf die weiße Haut ihres Gesichts. Das gab ein so warmes und wohliges Gefühl, daß Emma lächelte. Einzelne Wassertropfen prallten auf das Schirmdach, laut vernehmbar, einer, wieder einer, noch einer…4

Morgengrau

Ich weiß, daß ich im Morgengrauen aufs Pferd stieg, im Reiten meinen Rock knöpfte und mir dessen bewußt wurde, daß ich den Korkhelm vergessen hatte. Darüber kam mir in den Sinn, daß ich bei meiner Rückkehr den Schatten aufsuchen müßte, und hörte Panjas fremde Stimme, der mit meinem Pferd sprach, das er laufend am Zügel führte. Er schrie einen Ochsenkarren an, der uns in der Nähe des Stadttors den Weg versperrte, und ich sah einen kleinen gekrümmten Mann, der ängstlich und mit bösen, unterwürfigen Augen seine Tiere in den Graben zerrte. Er hatte Maisschößlinge geladen und trat mit seinem nackten Fuß aufgeregt in die Weichen der schwerfälligen Ochsen. Hatte diese selbe Stimme Panjas nicht eben noch geschrien: Die Brahminen haben Mangesche Rao vergiftet?5

Schiefergrau

Die schiefergraue Flut brandete leise, und der leichte Wind, der mit dem Schaum spielte, jagte weiße Flocken meerwärts.6

Bleigrau

Schweiß rann über ihre bleigrauen Lippen. Sie hatten alle so viel geschrien, daß sie einander nicht mehr verstanden.7

Braun

Braun und fahl

So atmete ich schwer und langsam, bis sie ihren Kopf zu meinem legte und unsere langen Haare der Wind eine gute Weile mischte braun und fahl; und sie wieder wob: fahl und braun.8

Rostrot

Links in der Ferne schwingen sich die Bogen des alten Aquädukts in zerbröckelndem, trockenem Gelb zum Cap hinaus, wo die Häuser und Villen zu warmen Rosttönen gebrannt sind, sanfte Korrosionen durch das ganze Spektrum der Erdfarben, von fahl und roh bis tief brüniert.9

Schwarz

Nichtfarbe

Schwarz, diese im spanischen Hofzeremoniell wurzelnde (Nicht-)Farbe der Macht, ist geradezu die Signalfarbe Manets, der sie wunderbar zu modulieren weiß…10

Braunschwarzstille

Die düstere Fichtenschonung; Stämme standen, braunschwarzstille Säulen, fruchtbare Wesen in furchtbarer Ordnung.11

Blau

Rauchblau

Pigment

  • Bezeichnung: Farbglas rauchblau, transparent
  • Korngrösse: < 63 µ
  • Eignung: Acryl, Kalk, Keramik, Öl, Tempera, Wasserfarben, Wasserglas
  • Lichtechtheit: Mittel: 8 (1 = min, 8 = max)
  • Lichtechtheit: Verdünnt: 8
  • Lichtechtheit: Vollton: 8
  • Beständigkeit: Alkali: 4
  • Beständigkeit: Kalk: 4

Smoke blue

Stephen turned his gaze from the sea and to the plump face with its smokeblue mobile eyes.12

Sidney's blue days

Das Farbschema erhält seine Frische durch die Kombination von klarem Weiss und kräftigem Pazifikblau. Sie zeichnen zusammen mit dem Elfenbeinweiss der Decke die Konturen des Raums klar und deutlich. Zur weiteren Kontrastierung der Elemente sind ein silbergraues Fries und die Akzentfarbe Bronzebraun eingesetzt.

Himmelblau

Zur selben Zeit pflegten die Lokomotiven der Eisenbahnzüge die Tannenhecken den Schienen entlang in Brand zu stecken, durch Funkenwurf, was die Rinderherden zu beunruhigen vermochte, indes die Zwetschgen landauf landab sich der Himmelsbläue bemächtigten, die durchsetzt war von Habichten, welche, zu Paaren segelnd, Schreie abgaben, die in gewisser Diskrepanz standen zum Geschäft der Zwetschgen eben.13

Sky blue

By the provost's wall came jauntily Blazes Boylan, stepping in tan shoes and socks with skyblue clocks to the refrain of MY GIRL'S A YORKSHIRE GIRL.14

Irish blue

Why have women such eyes of witchery? Gerty's were of the bluest Irish blue, set off by lustrous lashes and dark expressive brows.15

Staubblau

Ferdinands Elternhaus sei übrigens mitten in der Kilbi gestanden, habe einen Stoffladen aufgewiesen und an der Südfront einen Pflaumenbaum, dessen Früchte ausgerechnet zur Werdenberger Kilbi reif geworden seien und ein Blau aufgezeigt hätten, das sozusagen aus Staub bestanden habe.16

Grün

Grünes Flimmern

Grünes Flimmern überm Nadelboden; die Goldhitze umfing uns wie im Traum; es war ja eigentlich meine erste Liebe.17

Rot

Knallrosa

Knallrosa sieht knallrosa aus, sieht so knallrosa aus als Knallrosa aussähe, sähe es.18

Rosarot

Dieses Rosarot nun wirkt besonders deswegen so prächtig, weil die Farbe nach Tizians später Art nicht in gleichmässig dichter Schicht aufgetragen ist, sondern in jedem Pinselstrich wechselt; bei der Danaë finden wir Flecken, die vom Purpurvioletten bis zum aufgehelltesten weisslichen Rosa gehen. Gerne werden in diesen Jahren verwandte Farben zu einem sehr reichen Ganzen gruppiert; namentlich Venus und Adonis und das Bildnis des Herzogs von Atri zeigen das Rot vom Scharlach bis zum bläulichen Karmin, vom bräunlichen Sammet bis zum zartesten Seidenrosa. Über allen diesen Farben aber liegt, wie auch über dem Braun und Grün der Spätzeit, ein Schimmer von Gold, ein Leuchten der Farbe aus sich selbst.19

Grosse rosenrothe Schwimmblasen von Physalien, die »Portuguese Men of War« der Seeleute, schaukelten sich auf den munter hüpfenden Wellen.20

Eosinrot

An ihren Schläfen war ein eosinrotes Band befestigt, das in einem breiten Fächer auf die linke Schulter herabsank und hinter ihr verschwand.21

Eosin Y (von griechisch εως, deutsch "Morgenröte") ist ein roter, saurer Farbstoff aus der Gruppe der Xanthenfarbstoffe wie auch der Triphenylmethanfarbstoffe und kann zum Färben von Textilien und Papier verwendet werden.22

Red-hued

Yellow and white chrysanthemums; would that there were a red-hued one!

Ockerrot

Der Mond stand, eine ockerrote Sichel, über dem Dschungel.

Sie trug Lotusblüten im Haar, von sanftem Rot und einen schmalen Gürtel von gewundener ockerroter Seide um die zarten Hüften. Ein Hauch von Ambra begleitete sie, wie unsichtbare Flügel der Jugend.23

Indianerrot

Farbica-Rezeptur

  • 1 Teil Titanorange
  • 1 Teil Terra Ercolano
  • 0.5 Teile Irgazinrot PR 254

Fuchsfeuerrot

Fast alle aber hatten braune, mehrere braunrothe, einige wenige sogar in ein goldenes Blond hinüberspielende fuchsfeuerrothe Perrücken, was als Krönung der schokoladefarbenen, bronzeglänzenden Körper seltsam und nicht unmalerisch aussieht, die Folge eines kosmetischen Verfahrens, dem sie sich theils aus Mode, theils zur Vertilgung des Ungeziefers unterziehen, und welchem ich später beizuwohnen Gelegenheit erhalten sollte.24

Safranrot

Er bückte sich dabei nicht, die safranroten sandalenartigen Schuhe blieben zurück, wie durch einen Zauberspruch von den Füßen gelöst.25

Zinnoberrot

Während bei uns der scheidende Sommer das Grün der Forste in die bekannten, von den Malern so sehr geschätzten, weich gestimmten und harmonischen braunen Töne abklingen lässt, verwandelt sich dort das Laub in grelles Zinnoberroth und schreiendes Pomeranzengelb. Man würde Amerikanern gegenüber eine arge Ketzerei begehen, wollte man Zweifel äussern, dass dieses bizarre Gewand der Natur schön sei. Trägt es ja doch dieselben Farben, die dem Bürger der grossen Republik an seinen Lokomotiven und Häusern, Reklamen und Krawatten so lieb sind.26

Purpurrot

Am interessantesten waren mir zwei Mollusken durch ihre ausgezeichnete Lebhaftigkeit, eine handgrosse Nacktschnecke, Doris, und eine wallnussgrosse Muschel, Lima. War die Doris, wenn sie mit ihrem rosenfarbenen Körper in eleganter vertikal gerichteter Wellenbewegung das Aquarium durchmass, schon auffallend genug, so wirkte die Behendigkeit der Lima, einer Vertreterin jener Thierklasse, an die wir gewöhnlich den Begriff des Langsamen und Unbehülflichen knüpfen, noch überraschender. Auf den ersten Blick hatte die Lima wenig Aehnlichkeit mit einer gewöhnlichen Muschel. Ueber die beiden Schalen, welche vorn und hinten bedeutend klaffen, ragt der Mantelsaum hervor und trägt mehrere Reihen purpurroth quergeringelter Fransen, deren längste länger sind als das Thier selbst und dieses vollständig einhüllen können, so dass man nichts sieht als einen Knäuel flotirender und sich krümmender wurmartiger Gebilde. Leicht reissen einzelne ab und bewegen sich dann auf eigene Faust noch lange weiter.27

Taumelviolett

Misses Lilian and Viola Lilac

Farbica | Farbenplan
Das Farbschema ist eine Komposition aus kühl und warm getönten Weissnuancen. Daunenweiss, Crèmeweiss und Luftblau sind so aufeinander abgestimmt, dass sich eine frische wie leichte die Farbigkeit im Raum entfalten kann. Die Akzentfarbe Purpurviolett reiht sich nahtlos ein in diese beschwingte Atmosphäre.

Weiss

Symphonie in Weiss-dur

Théophile Gautier hat ein Gedicht geschrieben, «Symphonie in weiss-Dur», in dem alle Verse zugleich beharrlich und verschwommen auf den Eindruck der Farbe Weiss hinarbeiten, die sich unabhängig von den jeweiligen Gegenständen in uns festsetzt.28

En blanco – al blanco

Die mittlere Kolumne von Blanco ist ein Gedicht, dessen Thema der Übergang des Wortes ist, vom Schweigen zum Schweigen (vom «en blanco», dem Weiss des unbeschriebenen Blattes, «a lo blanco», zum Weissen, – «al blanco», ins Ziel), wobei es vier Stadien passiert: Gelb, Rot, Grün und Blau.29

Kalkweiss

In Kalktechnik ist vielleicht das reinste Weiss zu erreichen und das dauerhaft. Denn Kalk ist Bindemittel und weisses Farbmittel zugleich. Da gibt es nichts, was dies Weisse trüben könnte. Kommt dazu, dass Kalkfarbe, und damit auch Kalkweiss wasserfest abbindet und auf natürliche Weise antibakteriell und fungizid wirkt: also für Wirtschafts- und Feuchträume das Farbenmaterial der Wahl ist.

Kreideweiss

Zwar findet sich Kreideweiss in den meisten Farben; jedoch nicht als färbendes Pigment, sondern als Füllmittel. Nur in ausgesuchten Farbenfabrikaten wird Kreide auch als färbendes Mittel bevorzugt, und man erhält damit ein natürlich anmutendes, mild leuchtendes Weiss, dessen Variation der verwendeten Kreidensorte(n) naturgemäss eigen ist.

Schneeweiss

Schnee ist schneeweiss - na ja, vielleicht nicht ganz so weiss. Dafür glitzern und funkeln die eingelagerten Glasplättchen so wie Schneekristalle in der Sonne strahlen und gleissen - na ja, vielleicht nicht ganz so intensiv. Jedenfalls sind neben den Glasplättchen auch die als Farbmittel dienenden Quarzmehle in Schnee von ähnlich kristalliner Struktur wie der echte Schnee.

Weissglitzernd

Farbica | Rezeptur

  • 1 Teil Kreide
  • 1 Teil Titanweiss
  • 1 Teil Glasplättchen 160 µ
  • jeweils angepasst Glaspigment sattblau
  • 4 dünne Schichten, jeweils Zwischenschliff

Gelb

Goldocker

  • Als gleichnamiges Pigment (wobei der Farbton hier nicht genau definiert ist): unvergleichlich, phänomenal
  • In Kalk auf Putz, innen und aussen (der Farbton erscheint etwas heller, leichter, kreidiger): vorzüglich, perfekt, natürlich
  • Als Leim- und Mineralfarbe (etwas transparent auf hellen Untergrund gepinselt): sonnig, erfrischend
  • Als gerollte Dispersionsfarbe: schwer, uninspiriert
  • Als mehrschichtig gestrichene Ölfarbe auf glattem oder fein strukturiertem Untergrund: gewichtig, überzeugend
  • Als Ölfarbe auf Holz: falsch
  • Als Lack oder Kunststoff: nur augenzwinkernd, persiflierend
  • Als Textilie, Naturfaser: famos
  • Als Textilie, Kunstfaser: trashig
  • Als glasierte Kachel: wundervoll

Fußnoten:

1

Roland Barthes, Der entgegenkommende und der stumpfe Sinn

2

Heinrich Heine, Harzreise

3

Stefan Zweig, Erstes Erlebnis

4

Gustave Flaubert, Madame Bovary

5

Waldemar Bonsels, Indienfahrt

6

Gustave Flaubert, Salambo, Ein Roman aus Alt-Karthago

7

Gustave Flaubert, Salambo, Ein Roman aus Alt-Karthago

8

Arno Schmidt, Brand’s Haide

9

Thomas Pynchon, Die Enden der Parabel

11

Arno Schmidt, Brand’s Haide

12

James Joyce, Ulysses

13

Gerhard Meier, Borodino

14

James Joyce, Ulysses

15

James Joyce, Ulysses

16

Gerhard Meier, Land der Winde

17

Arno Schmidt, Brand’s Haide

18

Gertrude Stein, Ein Buch mit da hat der Topf ein Loch am Ende eine Liebesgeschichte

19

Hetzer, Tizian, Geschichte seiner Farbe

20

Max Buchner, Reise durch den Stillen Ozean

21

Waldemar Bonsels, Indienfahrt

23

Waldemar Bonsels, Indienfahrt

24

Max Buchner, Reise durch den Stillen Ozean

25

Waldemar Bonsels, Indienfahrt

26

Max Buchner, Reise durch den Stillen Ozean

27

Max Buchner, Reise durch den Stillen Ozean

28

Roland Barthes, Der entgegenkommende und der stumpfe Sinn

29

Octavio Paz, Suche nach einer Mitte

Author: Paul Zoller,

Date: in Arbeit

Emacs 26.1 (Org mode 9.1.13)